Geschichte der Arbeitsgemeinschaft „Gynäkologische Urologie“, jetzt „Urogynäkologie“

Die Arbeitsgemeinschaft hatte im Nestor der gynäkologischen Urologie Walter Stoeckel (bis 1950 Direktor der Berliner UFK) und in seinem Schüler und Nachfolger Helmut Kraatz (von 1950 – 1952 Direktor der Hallenser UFK und von 1952 – 1970 Direktor der Berliner UFK) überzeugende Vorbilder. Hervorragende Lehrbücher, wie das dreibändige „Handbuch der gynäkologischen Urologie“ von W. Stoeckel aus dem Jahre 1938 , sein „Lehrbuch der Gynäkologie“, sowie die „Operationslehre“ von Felix von Mikulicz – Radecki, aber auch die von Stoeckel 1910 bis 1915 redigierte „Zeitschrift für gynäkologische Urologie“. Bereits 1906 hatte Zangemeister aus Königsberg einen „Atlas der Cystoskopie des Weibes“ herausgegeben, das erste Lehrbuch nach dem Krieg war die „Gynäkologische Urologie“ von Langreder 1961.

Grundsatzreferate von Kraatz über die „Ätiologie, Diagnostik und Therapie der weiblichen Harninkontinenz“ auf dem Frankfurter Gynäkologenkongress (1958) und dem Berliner Urologenkongress (1959) sowie ein von ihm initiiertes und geleitetes Internationales Symposium über „Urologische Komplikationen während und nach der Behandlung des weiblichen Genitalkarzinoms“ (1962) erzeugten bei Gynäkologen und Urologen wachsendes Interesse an ihrem Grenzgebiet. An der Berliner UFK wurde bereits 1970 eine Abteilung für gynäkologische Urologie ( W. Fischer) etabliert, noch im gleichen Jahr die Bildung einer „Arbeitsgemeinschaft (AG) für gynäkologische Urologie“ beantragte und genehmigt .

Am 27.11.1970 wurde im Kasino der alten Frauenklinik in der Tucholskystraße die Gründungsversammlung in Anwesenheit von 19 Teilnehmern aus Frauenkliniken (15) und urologischen Kliniken(4) fast aller Bezirke der DDR mit der Wahl von 2 Vorsitzenden und dem Schriftführer abgehalten. Beschlossen wurden 2 Tagungen pro Jahr, wovon eine jeweils im Winterhalbjahr in Berlin und die andere im Sommerhalbjahr zweitägig an wechselnden Orten der DDR durch die Mitglieder der AG auszurichten waren.

Um Praxis und Theorie zu verbinden, wurden zu Beginn der Tagungen stets Operationsprogramme durchgeführt und danach entweder am gleichen Ort oder in der Nähe nachmittags und am nächsten Tag Vorträge gehalten. Die Mitgliedschaft in der AG war sehr begehrt. So waren es 1979 vorübergehend 41 Mitglieder (31 Gynäkologen, 8 Urologen und 2 Radiologen).

1982 wurde das Buch „Urogynäkologie für Klinik und Praxis“ durch W.Fischer und Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft herausgegeben und ab 1979 erfolgten bilaterale Symposien mit der Sektion Urogynäkologie der CSSR(Abb.1).

Abb.1: Podiumsdiskussion über „Urodynamik in der Gynäkologie“ in Berlin 1983

Die wachsende Beliebtheit dieser Veranstaltungen (Abb.3) wurde 1987 durch die Ernennung beider Sektionsvorsitzenden zu Ehrenmitgliedern ihrer gynäkologischen Landesgesellschaften gewürdigt. Über die internationalen Aktivitäten und Kongressbesuche wurde ausführlich im Zentralblatt für Gynäkologie berichtet (z.B. Zbl.Gynäkol. 110 (1988) 1092 – 1101).Die Verteilung der Tagungsorte (Abb.2) zeigt, dass Berlin 16mal, Greifswald, Halle, Leipzig, Magdeburg, Rostock und Suhl je zweimal und die übrigen Tagungsorte jeweils einmal vertreten waren.

Abb.2: Tagungsorte der AG Urogynäkologie der DDR 1970-1990

Nach der 30. Tagung (1985) wurde die AG weitere 5 Jahre bis 1990 mit insgesamt 10 Tagungen als „Sektion Urogynäkologie der Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe der DDR“ weitergeführt.

Abb.3: bilaterales Symposium CSSR/DDR April 1990

In der Bundesrepublik erfolgte 1977 auf Einladung von Prof.Dr.Lutwin Beck ein orientierendes Treffen in Hilden bei Düsseldorf zur Zusammenarbeit zwischen Urologen und Gynäkologen, Teilnehmer waren Prof.Dr.U.Ulmsten, Dr.U.Jonas, Dr.J.Eberhard, Dr.P.Faber und Dr.E.Petri.

Abb.4: Dr.J.Eberhard, Dr.E.Petri, Dr.P.Faber,

 1978 am 1.-3.Dezember war Prof.E.Dreher Gastgeber in Bern (Abb.4)

23.-25.November 1979 war in München Gastgeber Prof.H.J.Kümper, eine größere Gruppe aus der BRD und Österreich, aber auch Prof.Fischer aus der DDR mit erstem festen Vortragsprogramm (Viszerographie, Urodynamik vor und nach Operationen,…)

28.-30.Mai 1981 war in Bremen Gastgeber Prof.J.Heidenreich ( gerade verstorben) mit großer Gruppe, aus der DDR Prof.Fischer und Prof.Retzke ,mit festes Programm und Wattwanderung.

Am 16. .September 1982 erfolgte in München nach offizieller Anerkennung durch den Vorstand der DGGG (Abb.5) die Gründungsversammlung der Arbeitsgemeinschaft der

Abb.5: offizielle Anerkennung durch die Deutsche Gesellschaft (BRD)

 BRD im Rahmen des 24. Kongresses der DGGG im Vortragssaal des Deutschen Museums (Abb.6). Zuvor war vom Vorstand der DGGG der Beschluss zur Anerkennung einer solchen Arbeitsgemeinschaft eingeholt worden. Es waren 32 Gründungsmitglieder anwesend und nach Abstimmung und Festlegung der Regularien erfolgte ein wissenschaftliches Programm mit Themen zu Morphologie, Urodynamik und Diskussion über die Zusammenarbeit mit der Urologie.

Abb.6: Protokoll der Gründungsversammlung

 6.-8.Mai 1983 Berlin : 26 Teilnehmer, darunter Prof.Janssens/Niederlande und Prof.Rud/Norwegen – am Abend Klavierkonzert von Beethoven mit Maurizio Pollini in der Philharmonie

19.-22.September 1984 Frankfurt DGGG : Wahl von Prof.K.Richter zum neuen Vorsitzenden

26.-27.September 1985 Post-FIGO-Symposium Freiburg- Prof.Hillemanns, als Gäste Profs.Assmussen,Ulmsten,Stanton,Richter,Kümper

23.-26.September 1986 DGGG Düsseldorf : Wahl von E.Petri zum Vorsitzenden

25.-26.Mai 1987 Wien - Organisator: Prof.G.Wagner mit großer Teilnehmerzahl (Abb.7)

Abb.7: Treffen in Wien 1987

Ab 1987 jährliche Seminare „Gynäkologische Urologie“, zunächst in Idar-Oberstein, ab 1992 in Schwerin (Abb.8)

Ab dem 14. Seminar 2000 gemeinsam mit Prof.Kölbl/Halle, später Mainz, dann mit Prof.Tunn/Berlin im Wechsel

Ab Mitte der 80er Jahre fanden viele separate Veranstaltungen statt, so z.B. regelmäßig in Frauenfeld/Schweiz , Aarau/Schweiz und an verschiedenen Orten in Österreich.

Im Rahmen des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe 1990 in Hamburg mit einer „Kurt Richter-Memoriam“ Sitzung erfolgte die erste gemeinsame Tagung mit der Sektion „Urogynäkologie“der DDR.

Der weitere Verlauf der AGUB ist nach Gründung eines e.V. in der Homepage zu entnehmen.

E.Petri